Man kann Reichs späte Jahre nicht betrachten, ohne die tiefe Tragik eines Mannes zu sehen, der sich im absoluten Besitz einer Wahrheit wähnte, die die Welt nicht hören wollte. Seine Weigerung, vor Gericht zu erscheinen – mit dem Argument, dass wissenschaftliche Entdeckungen nicht von Juristen beurteilt werden können –, besiegelte sein Schicksal. Seine Bücher wurden staatlich verbrannt, und er selbst starb 1957 in einer Gefängniszelle in Pennsylvania.
Reichs Weg war von Anfang an von dem tiefen Wunsch geprägt, die Kluft zwischen Theorie und Praxis zu überbrücken. Während die frühe Psychoanalyse sich vorwiegend im bürgerlichen Salon abspielte, drängte es Reich zu den Menschen auf der Straße. Sein persönliches Erleben der sozialen Missstände im Wien und Berlin der Zwischenkriegszeit führte ihn zu der Überzeugung, dass psychisches Leid nicht nur im Individuum, sondern in den repressiven Strukturen der Gesellschaft wurzelt. Er begründete die „Sexualökonomie“ und die Charakteranalyse. Für Reich war der Körper der Speicher unserer Traumata. Seine Entdeckung der „körperlichen Panzerung“ – jener muskulären Verspannungen, die als Abwehr gegen verdrängte Emotionen dienen – war genial und legte den Grundstein für die moderne Körperpsychotherapie.
Wilhelm Reich bleibt bis heute eine der faszinierendsten und zugleich umstrittensten Figuren in der Geschichte der Psychoanalyse und der modernen Wissenschaft. Als Schüler Sigmund Freuds begann er seine Karriere im Herzen der psychotherapeutischen Revolution in Wien, um schließlich als verfemter Außenseiter in einem US-amerikanischen Gefängnis zu sterben. Eine persönliche Biografie über Reich ist daher weit mehr als die bloße Chronik eines Lebens; sie ist die Erzählung einer rastlosen Suche nach Befreiung – sowohl der menschlichen Psyche als auch des physischen Körpers.